Fälle aus der Werkstatt

Kategorie: Normfälle

Der Glaube versetzt Berge, lautet ein Sprichwort. Ist das Münster schon eine riesiger Haufen Sandstein, erbaut in einem für uns Heutige kaum vorstellbarem Glauben (Bern hatte damals rund 4'500 Einwohner), was ist dann erst die Münsterplattform?

Bis zum 7. Jh. wurden die Toten ausserhalb der Siedlungen begraben. Sie galten als unrein und sollten an einer Wiederkehr gehindert werden. Dann aber verbreitete sich der aus Nordafrika stammende Brauch, die Toten innerhalb der Siedlungen und besonders in und um die Kirchen zu bestatten, im ganzen Mittelmeerraum und gelangte schliesslich über die Alpen auch in unsere Gegend. Gerade mit der Nähe zu den Reliquien der Heiligen in den Kirchen erhoffte man sich zusätzliche Pluspunkte vor dem jüngsten Gericht.

Was jedoch war zu tun, wenn der Platz für den Kirchhof fehlte? Unklar ist, ob schon 1310 Bern mit dem vom Papst bewilligten Bau der Plattform in ihren heutigen Ausmassen begann oder ob zuerst eine kleinere Terrassierung des Aarehangs unterhalb der Leutkirche, der Vorgängerbaute des Münsters, stattfand. Item oder wie dem auch sei, die Plattform wurde kurz bis nach der Reformation als Friedhof benützt.

Der Glaube versetzt Berge (wobei "Berge" ein relativer Begriff ist, habe ich doch einmal in Berlin in einer Käseauslage "Holländischer Bergkäse" gesehen). Mit mindestens 60'000 bis 70'000 m3 Füllschutt kann die Plattform so aber ohne Bedenken als ein mittelkleiner Berg bezeichnet werden - erbaut einzig für die Toten.

Literatur:
- (Ph. Ariès, Geschichte des Todes)
- (KDS, Kt. Bern, Stadt, IV)

Weitere Stichworte:

  1. Der Fund in der Plattform (Bildersturm)
  2. Theobald Weinzäpfli, die Tafel
  3. Der Boulespieler und die Schnecke
  4. Der Reliquienschabernack